Burm Disease PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 13. Dezember 2006 um 00:02 Uhr

BD (Burm Disease) - chron. Atemwegserkrankungen beim Tigerpython

Da momentan wohl wieder - aufgrund der Jahreszeit? - reihenweise adulte Tiere wegsterben, kommt wieder der schon früher oft verwendete Begriff "BD" (Burmese Disease) auf, um das Phänomen zu beschreiben.

Ein bekannter Züchter in den USA hat in einem Newsletter schon vor einiger Zeit die Auffälligkeiten des Atemwegssystems adulter Tigerpythons als chronisch virale Erkrankung beschrieben.

Die Tiere bekommen in regelmässigen Abständen bakterielle Lungenentzündungen, wo immer nur Pseudomonas ssp. nachgewiesen werden, die sich zu Beginn gut mit gängigen Antibiotika behandeln lassen. Nach kurzer Zeit erkranken die Schlangen erneut und eine Behandlung wird immer schwieriger, so dass schon Kombinationspräparate gebraucht werden.

Wenn es chronisch geworden ist, schleudern die Tigerpythons in regelmässigen Abständen gelben Schleim durch die Trachea.

Letztendlich sterben sie an therapieresistenten Lungenentzündungen.

Soweit die Fakten. Nun kommt die Theorie:

Da es sich um immer wiederkehrende, auf den Keim bezogen unspektakuläre Entzündungen handelt, liegt die Vermutung nahe, dass es sich lediglich um Sekundärinfektionen handelt, die einen anderen Ursprung haben.

Hier kann man eindeutige Parallelen zur Einschlusskörperchenkrankheit (IBD) ziehen, die auch nur symptomatisch verläuft.

Bei "BD" soll es also auch ein Virus oder Retrovirus sein, den die Tiere schon während der Embryonalentwicklung durch das Muttertier übertragen bekommen. Nach dieser Theorie haben fast alle in Gefangenschaft gehaltenen Tiere den Virus in sich.

Zum Ausbruch von Erkrankungen kommt es allerdings nie in juvenilem und semiadulten Alter. Die Deadline wurde bei etwa 30 Monaten, also zu Beginn der Geschlechtsreife gezogen. Das Immunsystem der Tigerpythons funktioniert anfangs völlig ungestört, erfährt aber im Alter eine Suppresson, so dass es dann erst zu Erkrankungen kommt.
Je älter die Tiere sind, desto häufiger sollen die Symptome auftreten.

Betroffen sind alle Tigerpythons, besonders aber die Farbvarianten und hier der "Albino Green".

Diesen Verlauf kann man sich wie einen Herpes vorstellen, wo auch fast jeder Mensch die Viren in sich trägt, es aber nur selten zum Ausbruch kommt. Einige haben Probleme damit, andere nicht.

Angeblich haben Forscher der "University of Florida" mittels elektronenmikroskopischer Aufnahmen Mikroläsionen des Lungengewebes festgestellt, die von Pseudomonas besiedelt werden und dann Entzündungen hervorrufen.

Eine Isolierung des geheimnisvollen Virus ist allerdings bisher nicht erfolgt.

Soweit diese Theorie.
Dazu muss man anmerken, dass immer nur "Nichttigerpythonhalter" und Leute mit Interessenkonflikten eine Viruserkrankung propagieren.

Ich werde hier jetzt keine Namen und Quellen nennen. Wen es interessiert, sollte mal in einschlägigen amerikanischen Foren die Suchbegriffe "BD", "Burm Disease" oder "Burmese Disease" eingeben.

Natürlich bleibt sowas nicht unkommentiert stehen und stösst auch auf rege Kritik seitens der Tigerpythonhalter in den USA. Und das zurecht.

Bezeichnender Weise kommen die Problemtiere nämlich meistens aus suboptimaler Haltung. Die Kritiker stützen sich stets auf "bad husbandry conditions".

Meine Meinung zu dieser Theorie ist arg gespalten. Natürlich ist es möglich, dass es diesen Virus tatsächlich gibt und vielleicht zu Erkrankungen beträgt. Nur ohne jegliche Beweise ist es halt schwierig dies zu beurteilen.

Auch sollte dem Inzuchtfaktor grosse Bedeutung beigemessen werden.

Fakt ist jedoch, dass die Probleme mit adulten Tieren nicht einfach aus der Luft gegriffen sind und tatsächlich existieren. Neben meinen in Celticas Thread angesprochenen Thesen habe ich in den letzten Tagen noch einen weiteren interessanten Punkt erfahren.

Fütterung und Bewegung. Um die Weibchen zur Zucht zu konditionieren müssen sie regelmässig gefüttert werden und bewegen sich demnach kaum noch, da sie keinen Hunger mehr haben. Hierdurch "könnte" sich das Sekret aufgrund des fehlenden Zwerchfells und der damit verbundenen Unfähigkeit zu Husten stauen. Es wird innerhalb der Lunge nicht bewegt und somit auch nicht ausreichend resorbiert.

Leider ist diese Theorie ebensowenig belegt und es gibt genügend Gegenbeispiele, wo auch grosszügig gehaltene und sparsam gefütterte Tiere diese Probleme haben.

Letztlich werden es viele Faktoren sein.

Der beste Rat zur Gesunderhaltung wird jedoch Sauberkeit, vernünftige Terrarienluft und eine adäquate Temperatur sein. Tiere, die dauerhaft insbesondere nachts zu kalt gehalten werden, machen mit Sicherheit mittel- bis langfristig Probleme.

Wenn man sich mal auf Worldclimate die mittleren Temperaturen der Herkunftsländer anschaut, kommt man schnell zu dem Schluss, dass auf den allermeisten HP's bezüglich der Temperaturgestaltung im Terrarium nur Mist geschrieben wird.

Äquatoriale Tiere zur Zuchtstimulation über Wochen auf 20°C runterzukühlen oder ganzjährig nachts bei diesen Temperaturen zu halten, ist der beste Weg sich langfristig eine "BD" einzuhandeln.


Quelle: Dieser Beitrag stammt von "ThorstenG" (www, Kontakt)
Geschrieben am 12.12.2006 im Tierfreunde Forum.net

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 23. April 2009 um 22:13 Uhr